Jungjäger im Revier | Aus Erfahrung gelernt
Den Jagdschein habe ich gemacht, weil mich Wald, Natur und unsere heimischen Wildtiere schon immer interessiert haben. Das hat mir mein Vater mitgegeben. Ich war von klein auf mit auf der Jagd. In diesem Beitrag erzähle ich, wie ich die Ausbildung erlebt habe, was ich als Jungjäger wirklich brauche und was es kostet.
Das Wichtigste in Kürze
- Prüfung: Die Jägerprüfung hat meist drei Teile, schriftlich, Schießen und mündlich-praktisch. Die größte Hürde ist für viele die Menge an Lernstoff.
- Kosten: Der Jahresjagdschein für 3 Jahre kostet je nach Bundesland rund 35 bis 150 €, in Baden-Württemberg 150 €. Die Jagdhaftpflicht kommt dazu.
- Ausrüstung: Am Anfang reichen wetterfeste, leise Kleidung, feste Schuhe, ein gutes Fernglas, Messer, Rucksack und Signalkleidung.
- Waffen: Für den Start genügt meist eine Büchse in mittlerem Kaliber, je nach Revier eine Flinte. Langwaffen dürfen mit Jahresjagdschein ohne Voreintrag gekauft werden, die Eintragung muss binnen zwei Wochen folgen.
- Praxis: Der Jagdschein ist erst der Anfang. Netzwerk aufbauen, mit anpacken und von erfahrenen Jägern lernen.
Der Weg zum Jagdschein: Ausbildung und Prüfung
Auf die Jägerprüfung habe ich mich intensiv vorbereitet. Mein Kurs ging 9 Monate und hat damals 1200 Euro gekostet. Neben dem Unterricht 3 x pro Woche, habe ich zu Hause Prüfungsfragen durchgearbeitet und alles regelmäßig wiederholt. Am meisten gebracht haben mir die praktischen Übungen und das Schießtraining, weil man das Gelernte dort direkt anwendet. Wir waren außerdem eine tolle Truppe im Kurs und haben uns gegenseitig beim Lernen geholfen.
Mein Rat für alle, die gerade anfangen: früh beginnen und dranbleiben. Fragt erfahrene Jäger und sammelt praktische Erfahrung, wo es geht. Lernt nicht nur für die Prüfung, sondern versucht die Zusammenhänge zu verstehen. Das macht die Ausbildung leichter und bringt euch später im Revier viel mehr.
Was ist der schwierigste Teil der Jägerprüfung?
Die Jägerprüfung besteht in den meisten Bundesländern aus drei Teilen: einer schriftlichen Prüfung, der Schießprüfung und einer mündlich-praktischen Prüfung. Wer einen Teil nicht besteht, kommt nicht weiter.
Für mich war nicht ein einzelner Teil das Schwierigste, sondern die Menge an Lernstoff. Wildtierkunde, Jagdrecht, Waffenrecht und Waffenhandhabung, Naturschutz, Hundewesen, Wildbrethygiene: Am Anfang wirkt das erdrückend. Mit regelmäßigem Lernen wird man aber Woche für Woche sicherer. Für mich waren die Wildbiologie mit Vogelkunde der schwerste Teil. Welcher Vogel wann, wie und wo seine Eier ablegt, ging bei mir lange nicht in den Kopf:-)
Vor der Schießprüfung haben viele Prüflinge den meisten Respekt. Mein Tipp: Nutzt jede Gelegenheit auf dem Schießstand. Sicherheit im Umgang mit der Waffe kommt nur durch Wiederholung.
Wie viel kostet ein 3-Jahres-Jagdschein?
Nach bestandener Prüfung beantragt man den Jagdschein bei der unteren Jagdbehörde am Wohnsitz. Den Jahresjagdschein gibt es für ein bis höchstens drei Jagdjahre. Die Gebühr legt jedes Bundesland selbst fest:
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Bundesland |
Gebühr Jahresjagdschein für 3 Jahre |
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150 € (50 € je Jagdjahr) |
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Thüringen |
135 € |
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Bremen |
35 bis 129 € je nach Laufzeit |
Dazu kommt die Jagdhaftpflichtversicherung. Sie ist Pflicht, und den Jagdschein gibt es nur für den Zeitraum, für den sie abgeschlossen ist. Je nach Land fällt außerdem eine Jagdabgabe an. Rechnet also mit der Gebühr plus Versicherung, die eigentliche Ausbildung ist der deutlich größere Posten.
Wie lange gilt man als Jungjäger?
Als Jungjäger gilt man in den ersten drei Jahren nach dem ersten Jahresjagdschein, unabhängig vom Alter. Die Grenze ist nicht nur ein Gefühl, sie steht im Gesetz: Ein eigenes Revier pachten darf nur, wer vorher mindestens drei Jahre einen Jahresjagdschein besessen hat. Bis dahin jagt man als Gast, mit Begehungsschein oder an der Seite eines erfahrenen Jägers. Ehrlich gesagt ist diese Zeit auch genau die richtige, um Erfahrung zu sammeln.
Die erste Jagd: Erwartungen, Erfahrungen, Momente
Mein erster Jagdtag war etwas ganz Besonderes. Ich war aufgeregt und gleichzeitig gespannt, das Gelernte endlich anzuwenden. Früh am Morgen draußen zu sein, die Ruhe zu genießen und die Natur aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben, hat mich beeindruckt. Im Kopf lief trotzdem ständig die Checkliste: Habe ich alles dabei? Was mache ich, wenn jetzt ein Stück Wild kommt?
Wirklich als Jäger gefühlt habe ich mich, als ich zum ersten Mal mit der Waffe den Hochsitz bestiegen habe. Das war große Verantwortung und Freude zugleich.
Aus den ersten Ansitzen habe ich vor allem gelernt, geduldig zu sein und genau zu beobachten. Nicht jeder Ansitz endet mit Beute, und genau das gehört dazu. Man lernt, das Verhalten der Tiere besser einzuschätzen und auch kleine Erlebnisse zu schätzen. Ein schöner Anblick ist für mich immer ein Highlight. Es muss nicht jedes Mal geschossen werden.
Der Moment, der mich bisher am meisten geprägt hat, war kein Trophäenschuss. Ein Überläufer war nach einem Verkehrsunfall mit einer Laufverletzung noch auf den Läufen, hätte aber nicht mehr lange überlebt. Zusammen mit unserem damaligen Deutsch-Drahthaar habe ich ihn im Wundbett gefunden und konnte ihn erlösen. Spätestens da habe ich verstanden, was Verantwortung gegenüber dem Wild bedeutet.
Welche Grundausstattung und Ausrüstung braucht ein Jungjäger?
Am Anfang braucht man weniger, als man denkt. Wichtig ist eine zuverlässige Grundausstattung, die man nach und nach erweitert. Qualität zählt für mich überall dort, wo es um Sicherheit, Zuverlässigkeit und Komfort geht: Schuhe, passende Bekleidung mit robuster Jacke und Hosen und Optik; auch das Gewicht der Ausrüstung spielt für Tragekomfort und Beweglichkeit eine Rolle. Bei anderen Dingen muss es am Anfang nicht die teuerste Variante sein.
Meine Grundausstattung nach dem ersten Jahr: